Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem geänderten Surfverhalten der Internetnutzer nach den Abhörskandalen der letzten Zeit, sowie den daraus resultierenden Auswirkungen auf den Analyse- und Marketingbereich für Webmaster.

Yasni-Umfrage zum Nutzerverhalten

Die Personensuchmaschine Yasni (unser Platz 1 für Personen-SEO) führte eine repräsentative Umfrage zum Nutzerverhalten durch und veröffentlichte die erstaunlichen Ergebnisse in einer Pressemitteilung, die ich hier gerne veröffentliche:

„Frankfurt, 15. Oktober 2013: Der NSA-Abhörskandal hat direkte Auswirkungen auf das Verhalten der Internetnutzer und deren Umgang mit persönlichen Daten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage von Yasni unter 1.200 Internetnutzern aus Deutschland. Knapp 50% der Umfrageteilnehmer haben ihre Internetnutzung seit dem Datenskandal bewusst reduziert oder bewegen sich verstärkt anonym im Netz. 32% geben an, regelmäßig die eigenen Spuren im Netz zu überprüfen. Bemerkenswert ist vor allem, dass immer noch etwa 20% der Internetnutzer sich durch die flächendeckende Überwachung durch Prism und Tempora nicht betroffen fühlen.

„Unsere Umfrage zeigt, dass sich Internetnutzer auch ohne öffentlichen Protest zu helfen wissen und sich der Bedeutung von persönlichen Daten im Netz bewusst sind. Die eigenen Spuren im Netz regelmäßig zu prüfen ist der erste Schritt, um sich ein Stück Privatsphäre zu bewahren. Mit dem kostenlosen E-Mail Monitoring bietet Yasni hierzu ein geeignetes Tool, um zu prüfen welche Informationen im Netz über die eigene Person sichtbar sind“, erklärt Steffen Rühl, Geschäftsführer von Yasni.

Die Umfrage-Ergebnisse im Detail:

Hat sich Ihr Umgang mit privaten Informationen im Netz seit den Abhörskandalen verändert?
24%: Ja, ich bin seltener online oder meide bestimmte Seiten.

23%: Ja, ich benutze zunehmend Verschlüsselungen oder surfe anonym.

32%: Nein, aber ich prüfe regelmäßig, was im Netz über mich steht.

21%: Nein, das betrifft mich nicht. “

Auswirkungen auf die Analyse

encrypted search terms bei WordPress

WP encrypted search terms

Neben dem geänderten Nutzerverhalten hat Google die Übermittlung der Suchbegriffe laut einer Sistrixmeldung umgeschaltet, so dass man keine Suchbegriffe mehr von nicht bei Google eingeloggten Usern mehr in Analytics sieht. (In Analytics erkennt man dies unter dem Suchbegriff: Keyword not provided). In der Analysesoftware Piwik findet sich das gleiche Problem unter der Ausgabe „Suchbegriff nicht definiert„, bei Woopra unter „encrypted“ und bei den äußerst beliebten WordPress Site-Stats heißt es: encrypted_search_terms.

 

Not provided Suchzugriffe bei Analytics

Google Analytics not provided Suchbegriffe

Marketingauswirkungen

Mittlerweile berichten Seitenbetreiber, dass bis zu 90% der Besucher über Suchanfragen nicht mehr die ursprünglichen Suchbegriffe übermitteln. Dies stellt aktive Webmaster und Shopbetreiber vor große Probleme, da es schwierig ist den Traffic genau zu analysieren und entsprechende Optimierungsmaßnahmen vorzunehmen.

Unter anderem können ganze Suchbegriffe unter den Tisch fallen, man kann nicht wissen, ob man mit harten Moneykeywords rankt oder doch vielleicht eher im Longtail-Bereich. Zudem ist die Gefahr von Missmatches ennorm groß, worunter letztendlich wieder Aufenthaltsdauer und Conversionrate leiden. Möchte man den Besuchern aufgrund ihrer Interessen eine beständig verbesserte Userexperience bieten muss man sich entweder mit kläglichen Rest der offenen Suchanfragen begnügen oder alternative Wege suchen.

Im Netz kursieren zwar verschiedene Workarounds, die aber allesamt nur sehr leidlich funktionieren und deswegen nicht das gewünschte Ergebnis liefern. Große Toolanbieter erheben zwar eigene Daten, welche sich aber auf einen eingeschränkten Keywordbereich beziehen. Hat man selbst eine gewisse Größe erreicht, lässt sich über die Datenerhebung mittels eines eigenen Suchnetzwerks bewerkstelligen.

Steht einem diese Möglichkeit zum Beispiel aufgrund eines sehr eingeschränkten Suchbereichs nicht zur Verfüung, bleibt einem immer noch die Variante einer kleinen Adwords-Kampagne, über welche man immer noch Klardaten erhält.

 Zukunftsaussichten

Der Weg scheint relativ klar zu sein und man muss damit rechnen, dass sich die Daten zu Suchanfragen in Zukunft noch weiter einschränken. Gleichzeitig erheben die Big Player immer genauere und bessere Daten zu den einzelnen Benutzern, die aber letztendlich nicht mehr zu den Webmastern vordringen.  Gerade kleinere Webmaster, Shopbetreiber und Blogger müssen an dieser Stelle kreative Ansätze und Lösungen entwickeln um den drohenden Datenverlust zu kompensieren.

Zu diesem Artikel gibt es 1 Kommentar

  1. fschuetz sagt:

    Hallo Herr Nemitz,

    vielen Dank für das Aufgreifen unserer Studie. Ihre weiteren Ausführungen bezüglich der Keywords sind auch sehr spannend. Müssen wir wohl alle abwarten, wo da die Reise hingeht und was sich Google und die Politik in Zukunft noch alles ausdenken werden. Wobei, eigentlich nur Google. 😉